Space Experience

„We are expecting the first parabola in ten minutes.“ – Das war der Satz, der uns alle augenblicklich in Begeisterungsstürme versetzte. Wir saßen in vier Gruppen um unsere Instructors herum, die gerade dabei gewesen waren, uns den Ablauf der Parabeln zu erklären und wie wir uns in der Schwerelosigkeit zu verhalten haben, damit wir uns nicht verletzen, als die Durchsage des Piloten kam. Alle im Flugzeug fingen sofort zu jubeln und zu klatschen an, wir konnten es gar nicht mehr erwarten! Nach vier Monaten der Vorbereitung, der Vorfreude und vor allem der Ungewissheit, ob wir es überhaupt bis ans Ende schaffen würden, waren wir nun endlich hier! Tibault, der Instructor unserer Gruppe, fuhr mit der Erklärung des Zeitplans fort. Die ersten drei Parabeln würde der Pilot flacher fliegen, damit wir zum Eingewöhnen lediglich reduzierter Schwerkraft ausgesetzt wären. Die erste mit Marsgravitation, die zweite und dritte mit der Schwerkraft des Mondes und die übrigen zwölf in vollkommener Schwerelosigkeit. Kurze Zeit später (das sind höchstens zwei Minuten gewesen!) kam die zweite Durchsage: „Five minutes till first parabola.“ Wieder Applaus und Gejubel, gleich würde es endlich so weit sein! Tibault ging die letzten Einzelheiten durch. Ich hatte vor lauter Aufregung beinahe Schwierigkeiten, ihm zuzuhören. 40 Teenager, die sich wie kleine Kinder an Weihnachten freuten! Nach einer gefühlten Minute kam die finale Durchsage: „One minute until first parabola“ Spätestens jetzt war jeder von uns vor Freude nicht mehr zu bremsen. Wir begaben uns alle in Position, wie es uns vorher gezeigt wurde: die Wände entlang zwei gegenüberliegende Reihen bilden und flach auf den Boden legen, die Füße zur Mitte zeigend. „Thirty seconds“ Ich fixierte meinen Blick auf einen pinken Sticker an der Decke, während der Hyperschwerkraft mussten wir unsere Köpfe unbedingt ruhig halten, unserem Gleichgewichtssinn und unserem Magen zuliebe. „Twenty“ Ich schloss die Augen, spürte die Euphorie in mir, die Aufregung, die Dankbarkeit, es bis ans Ende geschafft zu haben. „Ten“ Ich öffnete die Augen wieder und sah mich um; den anderen schien es genauso zu gehen, wie mir :). „Five… Four… Three… Two… One… Pull up“ Wir rutschten ein wenig nach hinten, dann wurden wir mit 1.8G in den Boden gedrückt…

Mich überraschten bei der G-Kraft zwei Dinge: Erstens, 1.8G fühlten sich deutlich heftiger an, als ich erwartet hatte. Zweitens, es war irgendwie wie eine Massage! Wenn jeder Muskel im Körper plötzlich flach gedrückt wird, ist das überraschend angenehm! Mein Gesicht fühlte sich dafür an, als hätte ich gerade ein Lifting bekommen, denn auch die Haut wiegt plötzlich doppelt so viel, wie vorher.

„…Thirty“ Der Pilot zählte die Grad, um die sich das Flugzeug nach oben neigte. Ich versuchte, beide Beine gleichzeitig anzuheben, was aber tatsächlich unmöglich war. „…Fourty“ Ich hob stattdessen meinen (ziemlich schweren!) Arm und ließ ihn wieder fallen, er fiel fast doppelt so schnell wie normalerweise zu Boden. „…Injection“

Ich spürte, wie ich leichter wurde, und mein Blut kehrte in meinen Kopf zurück. Ich rührte keinen Muskel, ich stieß mich nicht vom Boden weg, ich ließ mich einfach von der Schwerelosigkeit mitnehmen. Es ist ein wenig so, als würde man sich im Wasser treiben lassen, nur mit dem Unterschied, dass man kein Wasser spürt, normal atmen kann und man überhaupt nicht steuern kann, wo man hinfliegt :). Es ist die tiefste Entspannung, die man jemals fühlen kann. Keine einzige Kraft wirkt auf den Körper ein. Auf dem Erdboden gibt es immer nur dich und den Sessel, auf dem du sitzt, oder dich und den Boden, auf dem du stehst.
Hier gibt es nur dich. In diesem Moment. Und mit dem Körper verliert auch jedes Problem, jede Sorge dieser Welt ihr Gewicht…

„Feet on the floor!“ Ich versuchte, möglichst „aufrecht“ dahinzuschweben. Ich drückte mich mit den Fingerspitzen von der Decke nach unten, sodass meine Füße den Boden berührten. „Pull out” – Wen die Instructors bis jetzt nicht umgedreht hatten, der fiel wie ein Kartoffelsack zu Boden (ungefähr so wie ich bei der letzten Parabel). Ich legte mich wieder flach auf den Boden, um für wieder 20 Sekunden 1.8G auszuhalten (die sich dieses Mal tatsächlich sanfter anfühlten).

 „Steady flight.“

Das war das Ende der 15. Parabel, doch wir hatten noch nicht genug: „One more! One more! One more!“ Wir waren uns überraschend schnell einig, eine Zugabe musste sein! Und der Pilot drehte doch tatsächlich noch eine letzte Parabel, bevor wir wieder Kurs auf Luxemburg nahmen, wo wir wie Nationalhelden empfangen wurden :).

Daniel Tranninger, 8B

Teil des FFG-Programms „Astronaut for a day“ der ESA, Luxemburg